Software ersetzt nicht den Vertrieb
Eine Analyse eines zentralen Themas: Wie unterscheidet sich Software als Handelsware von Hardware aus dem Wiederverkauf? Nicht „besser oder schlechter“ – Hardware hat ihre Berechtigung, und niemand stellt sie infrage –, sondern wie genau sich Wirtschaftlichkeit, Betrieb und Marktposition unterscheiden. Letztendlich eine ehrliche Betrachtung dessen, was Software wert ist und was Hardware nicht.
01
Wirtschaft
Geld
| Richtung | Was ändert sich? |
|---|---|
| Marge | Eine Softwarelizenz ist nicht dasselbe wie der Weiterverkauf fremder Hardware. Der Gewinn ist um ein Vielfaches höher, obwohl die Kosten pro Kopie null betragen. |
| Wiederkehrende Zahlungen | Jährliche Lizenzverlängerung ohne Neuvertrag und ohne Logistik |
| Durchschnittliche Rechnung | Die Inspektion wird als Zusatzleistung zu den Kameras, Sensoren und Gehäusen angeboten, die wir bereits liefern. |
| Betriebskapital | Die Hardware muss angeschafft und in einem Lager eingelagert werden – die Gelder sind bis zum Verkauf gesperrt. Software benötigt hingegen keinerlei Betriebskapital. |
| Skalierung | Der Verkauf von zehn Exemplaren kostet genauso viel wie der Verkauf von tausend. Die Hardwarekosten steigen mit dem Absatz. |
| Umsatzprognose | Abonnements bieten einen planbaren Umsatzstrom. Projektverkäufe hingegen schwanken, daher ist eine Planung unmöglich. |
| Preise und Gebühren des Anbieters | Der Preis einer Kopie hängt weder vom Wechselkurs noch davon ab, ob der Lieferant den Verkaufspreis erhöht hat. |
Der Verkauf eines Exemplars kostet genauso viel wie der Verkauf von tausend. Diese Eigenschaft fehlt Hardware völlig, und sie bildet die Grundlage für alles andere in dieser Tabelle.
02
Betrieb
Lager, Lieferung, Service
| Richtung | Was ändert sich? |
|---|---|
| Lager | Nicht nötig. Keine Fläche, kein Lagerbestand, keine Bilanz. |
| Lieferzeit | Der Kunde bezahlte und erhielt die Bestellung noch am selben Tag. Keine sechswöchige Wartezeit, kein „Lieferant hat die Lieferung verzögert“. |
| Logistik und Zoll | Als Klasse abwesend. Keine Versandkosten, Deklarationen oder Transportschäden. |
| Moralische Veralterung | Ein nicht mehr produziertes Modell mindert den Wert des Lagerbestands. Software wird ständig aktualisiert und bleibt nicht ungenutzt. |
| Garantiereparaturen | Rückgabe, Umtausch oder Rücksendung defekter Artikel an den Händler sind ausgeschlossen. Mängel werden durch Updates behoben, nicht durch Austausch. |
| Demonstration | Die Testphase ist kostenlos. Demogeräte müssen angeschafft, transportiert, repariert und außer Betrieb genommen werden. |
| Händler | Ein Schlüsselpaket wird innerhalb einer Minute versendet, kein Lager erforderlich |
Eisenversorgung
- Bestellung beim Händler, Vorauszahlung
- Produktion und Versand – Wochen
- Transport, Zoll, Annahme
- Lagerung, Versicherung, Schäden
- Lieferung an den Kunden
- Garantie, Währungsumtausch
Softwareversorgung
- Der Kunde hat bezahlt
- Der Schlüssel wurde ausgegeben
- Bereit
03
Markt
Wettbewerb und Kunden
| Richtung | Was ändert sich? |
|---|---|
| Export | Das Produkt ist in 14 Sprachen verfügbar. Die Software muss weder verzollt noch versendet werden. |
| Kundenbindung | Ein Kunde, der unsere Software online hat, wendet sich wegen der Sensoren nicht an einen Konkurrenten. |
| Preisvergleich | Fünf Mitbewerber bieten denselben Frequenzumrichter an und konkurrieren ausschließlich über den Preis. Es gibt kein Produkt, mit dem man Ihr Produkt auf einen Blick vergleichen könnte. |
| Graumarkt | Sie können Hardware auch ohne unsere Dienstleistungen erwerben. Eine an ein Fahrzeug gebundene Zulassung ist nicht zulässig. |
| Geographie | Für den Verkauf in ein anderes Land sind weder eine Repräsentanz noch ein Lager oder ein Spediteur erforderlich. |
| Grund für die Kontaktaufnahme | Jedes Update ist ein legitimer Grund, den Kunden anzurufen, nicht nur, um sich nach dem Befinden zu erkundigen. |
| Rückmeldung | Das System selbst meldet, wer es nutzt, wer ausgefallen ist und wessen Lizenz verlängert werden muss. Über die Hardware nach der Auslieferung ist nichts mehr bekannt. |
04
Strategie
Was ändert sich dadurch für das Unternehmen als Ganzes?
Die obigen Punkte beziehen sich auf Transaktionen. Diese hier beziehen sich auf die Position des Unternehmens in einigen Jahren.
| Richtung | Was ändert sich? |
|---|---|
| Unabhängigkeit | Ein Vertriebshändler ist stets vom Hersteller abhängig: Der Vertrag kann nicht verlängert, die Exklusivrechte können an Dritte vergeben oder die Preise erhöht werden. Man kann sein eigenes Produkt nicht einfach vom Markt nehmen. |
| Kapitalisierung | Durch den Verkauf fremder Hardware steigern wir den Wert fremder Marken. Durch den Verkauf unserer eigenen Produkte steigern wir unseren eigenen Markenwert. |
| Unternehmensbewertung | Der Vertrieb wird anhand von Umsätzen mit geringen Gewinnmargen gemessen. Produktumsätze mit Abonnements werden anhand eines Vielfachen gemessen. Diese Kennzahlen unterscheiden sich beim Verkauf von Anteilen oder bei der Kapitalbeschaffung. |
| Kompetenz | Die Kenntnisse bleiben im Unternehmen und sammeln sich an. Verkaufskompetenzen hingegen werden nicht angesammelt – sie werden bei einem Produktwechsel zurückgesetzt. |
| Filmmaterial | Ingenieure, die sich nicht für den reinen Vertrieb begeistern lassen, werden ihr eigenes Produkt entwickeln. |
| Nachhaltigkeit | Die Nachfrage nach Geräten ist gesunken, aber die Abonnements werden weiterhin bezahlt. Dies ist ein Sicherheitsnetz, kein zweites ähnliches Risiko. |
Die Daten verdienen besondere Erwähnung. Jedes Gerät erfasst seine Betriebszeit und seinen Zustand. Nach zwei bis drei Jahren liefert dies Einblicke in die tatsächliche Nutzung der Geräte durch die Kunden – etwas, das kein Händler und oft nicht einmal der Gerätehersteller selbst besitzt.
05
Ehrlich
Was ist Software wert, Hardware aber nicht?
Konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Vorteile, wird das Dokument zu bloßer Werbung und verliert seinen Nutzen. Es gibt auch Nachteile, die im Vorfeld bedacht werden müssen.
- Die Entwicklung hört nie auf. Der Frequenzumrichter wird verkauft und gerät in Vergessenheit. Die Software muss entwickelt, repariert und aktualisiert werden, solange sie auch nur von einem einzigen Kunden genutzt wird.
- Support ist eine Frage der Menschen. Verkauft man hundert Lizenzen, erhält man hundert verschiedene Anfragen. Solange der Support von einer einzigen Person abhängt, stellt dies einen Engpass und ein Risiko dar.
- Das Haftungsrisiko ist höher. Ein defekter Sensor wird im Rahmen der Garantie ersetzt. Software, die einen Fehler übersehen hat, kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Grenzen sollten vor dem ersten Verkauf im Vertrag festgelegt werden.
- Der Transaktionszyklus ist länger. Hardware wird gemäß den Spezifikationen beschafft. Software wird nach einer Pilotphase, Tests an den eigenen Produkten des Unternehmens und der Genehmigung durch den Sicherheitsdienst erworben.
- Der Vertrieb muss anders angegangen werden. Ein Manager, der weiß, wie man einen Schrank verkauft, muss nicht unbedingt wissen, wie man eine Pilotphase durchführt. Das ist eine separate Fähigkeit, die entwickelt werden muss.
- Die ersten Verkäufe verlaufen schleppend. Solange keine konkreten Anwendungsbeispiele vorliegen, beginnt jedes Gespräch bei null. Der erste Anwendungsfall ist mehr wert als die nächsten zehn.
Die Schlussfolgerung beider Teile ist dieselbe: Software ersetzt den Vertrieb nicht, sondern ergänzt ihn. Hardware sorgt für Umsatz und Kundenzugang, Software hingegen für Gewinnmargen, wiederkehrende Zahlungen und andere Sicherheitsvorkehrungen. Jedes für sich ist schwächer als in Kombination.
